Leipzig School of Radical Pelvic Surgery - Better Operations for Better Outcomes
 Universitätsmedizin Leipzig

Philosophie

Die Leipzig School of Radical Pelvic Surgery wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, ein aus der Embryonalentwicklung abgeleitetes Verständnis der lokoregionalen Tumorausbreitung und seine Umsetzung in ein neues operatives Radikalitätsprinzip am Beispiel der Therapie von Malignomen des unteren weiblichen Genitaltraktes zu vermitteln.

Traditionelles Operationskonzept: Weite Tumorexzision und diagnostische Lymphonodektomie

Grundlage der traditionellen Krebsoperationen ist eine auf Körperfunktionen ausgerichtete Anatomie und die Annahme einer isotropen Tumorausbreitung. Zur lokalen Tumorkontrolle wird die weite Exzision, d.h. die Resektion des Malignoms mit einem metrisch definierten zirkumferenten Rand neo- und dysplasiefreien Gewebes angestrebt. Dieses operative Behandlungskonzept kann eine erhebliche Morbidität verursachen und trotz einer R0 Resektion ein prognostisch ungünstiges Lokalrezidiv oftmals nicht verhindern. Obwohl konzeptionell die Weite des Resektionsrandes der elementare onkologische Qualitätsparameter ist, gelingt es nicht, die prognostische Bedeutung dieses Merkmals zu sichern.
Zur Feststellung des Nodalstatus erfolgt bei epithelialen Malignomen die Resektion regionaler Lymphknoten in Form einer systematischen Lymphonodektomie oder neuerdings
bei frühen Stadien durch eine Sentinelbiopsie. Bei nachgewiesener Metastasierung wird zur Erzielung der regionalen Tumorkontrolle die alleinige Operation als nicht ausreichend angesehen und eine zusätzliche Chemoradiotherapie empfohlen. Bei gynäkologischen Tumoren kann mit einer postoperativen Strahlentherapie zwar das lokoregionale Rezidivrisiko gesenkt werden, die adjuvante Maßnahme hat jedoch keinen nachgewiesenen Einfluss auf das Gesamtüberleben, erhöht aber die Morbidität der Behandlung und ist in vielen Fällen eine Übertherapie. Nodal positive Zervixkarzinome sollen deshalb einer primären Chemoradiotherapie zugeführt werden.

Neues Radikalitätsprinzip: Krebsfeldresektion und therapeutische Lymphonodektomie

Das neue Konzept fußt auf einer aus der Morphogenese abgeleiteten ontogenetischen Anatomie, die die Bildung des Gewebes in den topografisch definierten morphogenetischen Feldern seiner Entwicklungsstadien verfolgt. Nach der ontogenetischen Krebsfeldtheorie, die die maligne Progression von Neoplasien als inverse Morphogenese betrachtet, breitet sich ein Malignom schrittweise in den reifen Derivaten der Entwicklungsfelder seines Ursprungsgewebes aus. Aus seinem individuellen Krebsfeld, das sämtliche infiltrierte Gewebe berücksichtigt, kann deshalb das ontogenetische Lokalstadium (oT) eines Tumors bestimmt werden. Seinem ontogenetischen Lokalstadium entsprechend kann der maligne Tumor dann mit einer angepassten Krebsfeldresektion radikal behandelt werden. Die Krebsfeldresektion belässt funktionell bedeutsames Gewebe anderen embryonalen Ursprungs trotz unmittelbarer Nähe zum Tumor in situ. Das Krebsfeldkonzept liefert konsistente Erklärungen für die Schwächen der traditionellen Krebsoperationen. Auf seiner Basis wurden die totale mesometriale Resektion (TMMR), die erweiterte mesometriale Resektion (EMMR), die lateral erweiterte endopelvine Resektion (LEER) und die Vulvafeldresektion (VFR) als neue Operationstechniken zur Therapie des Zervix-, Vaginal- und Vulvakarzinoms konzipiert, die ohne adjuvante Strahlentherapie eine exzellente lokale Tumorkontrolle erreichen.
Unter Berücksichtigung der Morphogenese des lymphatischen Systems kann jedem Karzinom wegen der topografisch konstanten Beziehung zwischen einem Krebsfeld und seinen sekundären Lymphorganen (Bassin- und interkalare Lymphknoten, Lymphfollikel) ein ontogenetisches Nodalstadium (oN) zugeordnet werden. Mit der stadienadaptierten therapeutischen Lymphonodektomie (tLNE) wird ohne adjuvante Strahlentherapie auch die regionale Tumorkontrolle erreicht.
Prospektive Studien an der Universität Leipzig haben mit hohen Fallzahlen und langer Nachbeobachtungszeit gezeigt, dass die Krebsfeldresektion mit therapeutischer Lymphonodektomie bei Patientinnen mit Karzinomen des unteren Genitaltraktes zu einer signifikanten Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit führen.

Eine Übersicht über Prinzipien und Techniken, die die Leipzig School vermittelt, finden Sie in den folgenden Publikationen.

 
Letzte Änderung: 24.01.2019, 10:37 Uhr
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