Leipzig School of Radical Pelvic Surgery - Better Operations for Better Outcomes
 Universitätsmedizin Leipzig

Philosophie

Die Leipzig School of Radical Pelvic Surgery wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, ein aus der Embryonalentwicklung abgeleitetes Verständnis der lokoregionalen Tumorausbreitung und seine Umsetzung in ein neues operatives Radikalitätsprinzip am Beispiel der Therapie von Malignomen des unteren weiblichen Genitaltraktes zu vermitteln.

Bisheriges Operationskonzept: Weite Tumorexzision und diagnostische Lymphonodektomie

Grundlage der traditionellen Krebsoperationen ist die etablierte auf Körperfunktionen ausgerichtete Anatomie und ein isotropes Tumorausbreitungsmodell. Zur Tumorkontrolle wird die weite Exzision, d.h. die Resektion des Malignoms mit einem metrisch definierten allseitigen Rand neo- und dysplasiefreien Gewebes angestrebt. Dieses operative Behandlungskonzept kann eine erhebliche Morbidität verursachen. Trotz einer R0 Resektion kommt es - je nach Ausgangssituation - bei bis zu 50% der Patientinnen zu einem prognostisch oft ungünstigen Lokalrezidiv. Mit einer zusätzlichen Bestrahlung kann das Lokalrezidivrisiko gesenkt werden. Diese adjuvante Maßnahme erhöht jedoch die Behandlungsmorbidität und ist bei gynäkologischen Tumoren ohne Einfluss auf das Gesamtüberleben. Obwohl konzeptionell die Weite des Resektionsrandes der elementare onkologische Qualitätsparameter ist, kann eine reproduzierbare prognostische Bedeutung dieses Merkmals nicht aufgezeigt werden.

Zur Feststellung des Nodalstatus erfolgt die Resektion regionaler Lymphknoten. Bei nachgewiesener Metastasierung wird die Chemoradiotherapie zur Erzielung der regionalen Tumorkontrolle empfohlen. Diese in den geltenden Richtlinien festgeschriebene klinische Praxis hat in eine wissenschaftliche Sackgasse geführt, denn die unkontrollierte Eliminierung zurückgelassener Lymphknotenmetastasen durch die Bestrahlung verhindert die topografisch exakte Erfassung des regionalen Metastasenmusters. Ohne die genaue Kenntnis der Metastasierungsorte ist die Konzeption und Durchführung einer therapeutischen Lymphonodektomie nicht möglich.

Beziehung zwischen Embryonalentwicklung und maligner Tumorprogression: Die ontogenetische Krebsfeldtheorie der lokoregionalen Tumorausbreitung

Die Entwicklung des Organismus (Morphogenese) vollzieht sich schrittweise innerhalb zunehmend spezifischer morphogenetischer Felder: Metakompartimente, Kompartimente, Subkompartimente, Zonen. Die morphogenetischen Felder der frühen Entwicklung (Metakompartimente) überlappen und interagieren miteinander. Am Ende der Embryonalperiode sind geschlossene Kompartimente festgelegt, die als Entwicklungsmodule unabhängig von einander die weitere Morphogenese ausführen. Während der Fetalperiode bilden sich innerhalb der Kompartimente Subkompartimente und Zonen aus.

Entsprechend der ontogenetischen Krebsfeldtheorie wird Krebs als Manifestation pathologisch reaktivierter Entwicklungsschritte im reifen Organismus mit kompetentem Immunsystem angesehen. Der maligne Tumor infiltriert dabei das adulte Gewebe innerhalb der Domänen seiner Entwicklungsstadien in retrograder Folge: Die lokale Ausbreitung erfolgt zunächst im Subkompartiment, dann im Kompartiment und schließlich in den Metakompartimenten. Das lokale Krebsfeld definiert so das ontogenetische Tumorstadium (oT).

Die regionalen Lymphknoten, die die jeweiligen Entwicklungsdomänen im Rahmen des adaptiven Immunsystems versorgen, können insbesondere epithelialen Tumoren zusätzliche permissive Räume für ihre diskontinuierliche Ausbreitung bieten. Infolge der festen Beziehung zwischen den Lymphknoten und ihren Tributärgebieten durch die afferenten Lymphgefäße und gemeinsame Ortsinformationen können zu jeder Entwicklungsdomäne als potenzielles lokales Tumorausbreitungsgebiet die assoziierten Lymphknoten als potenzielles regionales Tumorausbreitungsgebiet identifiziert werden.

Neues Operationskonzept: Krebsfeldresektion und therapeutische Lymphonodektomie

Die klinische Umsetzung dieser Erkenntnisse erfolgt mit dem ontogenetischen Tumorstaging, der Krebsfeldresektion und der therapeutischen Lymphonodektomie auf der Grundlage der ontogenetischen Anatomie, die den Körper nach Entwicklungsdomänen kartiert. Die Krebsfeldresektion kann funktionell bedeutsames Gewebe anderen embryonalen Ursprungs trotz unmittelbarer Nähe zum Tumor in situ belassen. Auf der Basis der ontogenetischen Theorie wurden die totale mesometriale Resektion (TMMR), die Vulvafeldresektion (VFR) und die lateral erweiterte endopelvine Resektion (LEER) mit therapeutischer Lymphonodektomie (tLNE) als neue Operationsverfahren zur Therapie des Zervix-, Vaginal- und Vulvakarzinoms entwickelt, die ohne adjuvante Strahlentherapie eine exzellente lokale Tumorkontrolle erreichen und die behandlungsbedingte Morbidität gering halten.

Eine Übersicht über Prinzipien und Techniken, die die Leipzig School vermittelt, finden Sie in den folgenden Publikationen.

 
Letzte Änderung: 06.05.2015, 10:27 Uhr
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